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"Ganz easy in die Zeit gelaufen": After the Battle und Julia Krajewski in Boekelo (Foto Ronald Hogrebe)

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Julia Krajewski: Saisonbilanz 2010

Von Null auf 100 in der S-Klasse

VON WOLF-DIETRICH NAHR

Davon träumen zahllose heranwachsende Vielseitigkeitsreiter – und erreichen es doch nie: Die Warendorfer Perspektivgruppen-Amazone Julia Krajewski startete im ersten "Senioren"-Jahr so nachhaltig durch, dass selbst die älteren Profi-Kollegen staunen: Das Debüt auf Drei-Sterne-Niveau gelang nicht gerade mal so, sondern die Reiterin verbuchte gleich mehrere Top-Platzierungen.

Bei der Frage nach dem Saisonhöhepunkt 2010 muss Julia Krajewski im buschreiter-Interview nicht groß nachdenken: "Das Highlight war ganz sicher der 4. Platz mit After the Battle in Boekelo." Und das war nicht irgendein Event, sondern der Herbst-Klassiker, eine lange Drei-Sterne-Prüfung, mit der viele Reiter am Ende der Saison gerne noch ein Qualifikationsergebnis für Höheres erreichen möchten. Dass dann Julia Krajewski als Drei-Sterne-Einsteigerin just nach dem Junge-Reiter-Wechsel in Boekelo zahlreiche Weltklasse-Paare auf die Plätze verweisen würde: "Ja gut, die Top 20 strebt man schon an, aber dass es dann unter die Top 5 gereicht hat, damit rechnet man nicht."

"Er könnte das Ganze nochmal"

Und das darf schon mit leicht erhöhtem Pulsschlag berichtet werden: Julia Krajewski und der 15-jährige After the Battle (vormals unter Frank Ostholt) beendeten Boekelo mit dem Dressurergebnis von 50.4 als einziges Paar, und das nach einem Geländetag, der zeitweise im Dauerregen verging. "Das war schwierig mit dem Boden im Gelände, aber das stört ihn nicht, er galoppiert da durch, und er könnte das Ganze nochmal, er ist ganz easy in die Zeit gelaufen."

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Ein Bilderbuch-Blüter bei der Arbeit: Probleme mit der Optimum Time hat Julia Krajewski mit After the Battle selten (Foto Wolf-Dietrich Nahr)

Aber dieser bemerkenswerte Erfolg am Saisonende war zweifellos alles andere als Anfängerglück, sondern das Ergebnis einer ausgeklügelten, ja offensichtlich sehr klugen Saisonplanung, die viele Monate vorher begonnen hat. Aber alles der Reihe nach.

600 Pfund für die Fähre

Mit großem Tross ist Julia Krajewski im Frühjahr ins Mutterland der Vielseitigkeit aufgebrochen: Alle fünf Top-Pferde des Perspektivgruppen-Mitgliedes durften von Ende April bis Mitte Juni die würzige englische Eventing-Luft schnuppern. Neben After the Battle waren dies der 10-jährige Lost Prophecy, die gleichaltrige Stute Krispe B, der achtjährige Wallach Doctor Harriot und der 9-jährige Kaiserstern. Letztlich ein "kleiner Aufwand", der für die Jung-Seniorin aus Warendorf einen Riesenakt darstellte, den sie ohne die Unterstützung des DOKR und der Deutschen Sporthilfe gar nicht hätte stemmen können. "Allein die Fähre für die fünf Pferde kostete 600 Pfund – one way", rechnet Julia Krajewski im buschreiter-Interview vor.

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Wahl-Engländer auf Zeit: Lost Prophecy und Julia Krajewski (Archivfoto Thilo Haake)

Der Aufenthalt bei Honorar-Bundestrainer Christopher Bartle im Yorkshire Riding Center diente vor allem dazu, in Großbritannien jedes Pferd für Saisonhöhepunkte in Deutschland vorzubereiten. Und so verging keine Woche, in der Julia Krajewski nicht auf einem der zahlreichen Events präsent war. So trug sich Julia Krajewski in Chatsworth in die Nennungsliste ein – allerdings nur bei einer nationalen Prüfung. In Houghton Hall war mit Krispe B ein CCI*-Sieg fällig und in Brigstock war die Reiterin mit After the Battle und mit Lost Prophecy im CIC** platziert.

"Den Rhythmus finden"

Bemerkenswert und quasi programmatisch dabei: Die Nachwuchsreiterin aus Good Old Germany war dort mit einem vergleichsweise schweren Gelände konfrontiert. "Das ist das Positive an England, man wird mutiger und findet es nicht dramatisch, wenn es im Cross mal etwas mächtiger wird. Es kommt darauf an, nicht zu zuppeln und nicht noch einen mehr reinzumachen, weil das daheim so üblich ist, sondern man muss seinen Rhythmus finden und mutig sein. Das hat mich weitergebracht."

Und zum ersten Mal war Julia Krajewski auch in Badminton – allerdings bekanntermaßen als Fußgängerin: "Es war sehr eindrucksvoll, nachdem ich vor Jahren in Büchern darüber gelesen habe, war es toll, das alles in Wirklichkeit zu sehen. Wenn man dann Kollegen sieht, die da rüber reiten, dann bekommt man eine Ahnung davon, dass auch sowas machbar ist."

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In Schenefeld im Trainingslager: Beim CNC*** bereiteten sich After the Battle und Julia Krajewski auf Boekelo vor (Foto Nahr)

Und dieser Schub an Selbstbewusstsein hat offenbar den Tank bis obenhin gefüllt: Das Allermeiste verlief nach dem England-Aufenthalt mehr als nach Plan. Es gehört schon eine Portion Mut dazu, sich als erste S-Prüfung im Reiterleben ausgerechnet einen Weltcup-Event auszugucken. Dabei war in Strzegom eigentlich gar kein Start im CIC*** geplant, sondern nur ein Zwei-Sterne-Auftritt mit After the Battle. "Der Kurs lag uns, ich habe ihn gesehen und mir gesagt, das ist machbar – und das Pferd wird ja auch nicht jünger." Dass dann aus dem Wagnis ein 7. Weltcup-Platz werden würde, darauf hätten sicher nur die Insider höher gewettet. Julia Krajewski sieht dies nicht unbedingt als sportlichen Coup an: "Ich hatte ja eine lange Anlaufzeit auf Zwei-Sterne-Niveau, und das war halt dann einen Schritt weiter."

"Es lief genau nach Plan"

Ein Championat gab es für die Amazone mit Perspektive auch: Sie wurde in Hünxe Deutsche Mannschaftsmeisterin – mit Lost Prophecy, der im Jahr davor wegen einer leichten Verletzung pausieren musste und eindrucksvoll zurückgekommen ist: Bei seiner ersten S-Prüfung im CNC*** in Schenefeld ließ das Pferd Prophezeiungen wahr werden und sicherte der Reiterin den 4. Platz – einen Rang hinter After the Battle, der sich in Schenefeld auf das Highlight in Boekelo vorbereitete (siehe oben): "Das nicht zu schwere Gelände in Schenefeld war optimal, es lief genau nach Plan."

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Geglückte S-Premiere: Lost Prophecy war in Schenefeld hochplatziert (Foto Nahr)

Julia Krajewski ist nicht der Typ, der nach solchen Erfolgen ausflippt und leichtsinnig die Sektkorken knallen lässt. Dabei hätte sie nach der Serie bestechender Erfolge in 2010 allen Grund, überschwänglich zu feiern. Norddeutsch kühl und sportlich gereift analysiert sie fast british tiefstapelnd: "Im ersten Jahr im Seniorenlager habe ich mich weiterentwickelt, das war ein Schritt in die richtige Richtung."

Eine detaillierte Saisonplanung gibt es für 2011 noch nicht (Anfang Dezember), aber die Reiterin redet nicht um ihr persönliches Saisonziel herum: eine Teilnahme an der Europameisterschaft im eigenen Land. Zwölf Paare aus Deutschland bekommen in Luhmühlen eine Chance. Julia Krajewski freut sich über ihren Einzug in den B-Kader und über den Umstand, dass sie die formale Qualifikation für die Championatsteilnahme in der Tasche hat. Ihr Rezept für 2011 und ihre Marschzahl auf dem Weg nach Luhmühlen: "Ich werde leichte mit schweren Prüfungen abwechseln, um die Pferde nicht zu schocken – und ich werde natürlich versuchen, mich über gute Ergebnisse für die Europameisterschaft zu empfehlen."

Julia Krajewski im Internet

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Vielleicht ein EM-Kandidat für 2011? Julia Krajewski hat das Saisonziel für After the Battle formuliert (Foto Nahr)