Sicherheitsdiskussion: Dr. Alfred Schwarzenbach
"Geländehindernisse sollten fallend sein"
VON WOLF-DIETRICH NAHR
In die Diskussion über mehr Sicherheit bei Vielseitigkeits-Geländeprüfungen hat sich jetzt eine prominente Persönlichkeit der internationalen Szene eingeschaltet: Der frühere Olympiareiter Dr. Alfred Schwarzenbach aus der Schweiz fordert die Verwendung von abwerfbaren Hinderniselementen im Cross, um die gefürchteten rotation falls zu verhindern.
Auslöser für die öffentliche Stellungnahme Schwarzenbachs ist offensichtlich der Schritt von Waltraud Steiner, sich ebenfalls offensiv für solche Sicherheitshindernisse einzusetzen (buschreiter.de berichtete ausführlich). In einer Mail an buschreiter.de schreibt Dr. Alfred Schwarzenbach: "Frau Steiner hat recht: Die Geländehindernisse einer Vielseitigkeitsprüfung sollten nicht fest sondern fallend sein."
Rotationsstürze vermeidbar
Es werde immer noch Stürze geben, aber die gefährlichen Ueberschläge, Rotationsstürze oder auch Kerzen genannt, könnten so vermieden werden, meint der bekannte ehemalige schweizerische Championatsreiter und Förderer des Vielseitigkeitssports.
Dr. Alfred Schwarzenbach ist der Schwiegervater von Pepo Puch, der sich bei einem Sturz im Gelände eine schwere Wirbelsäulenverletzung zugezogen hat, die er bis heute nicht ganz auskurieren konnte. Puch ist immerhin zu Pferde wieder so gut unterwegs, dass er Europameister bei den behinderten Dressurreitern wurde.
"Rückenschutz nützt nichts"
Dr. Schwarzenbach gegenüber buschreiter.de zu gefährlichen Überschlägen: "Gegen diese Art von Stürzen gibt es keinen Schutz, da nützen Helm und Rückenschutz nichts. Und es sind diese Art von Stürzen, die am meisten Todesfälle verursacht haben."
Auch die beste Crossbauerkunst könne dagegen nichts ausrichten, wie der gefährliche, aber glimpflich abgelaufene Sturz von Mary King bei der diesjährigen EM in Luhmühlen gezeigt habe.
Widerstand aus Großbritannien
Dr. Alfred Schwarzenbach berichtet auch über einen Vorstoß beim internationalen Verband: "Die Reaktion der FEI auf meinen Brief, in dem ich fallende Sprünge im Cross und technische Hindernisse im Springen vor dem Cross und nicht im Gelände vorgeschlagen habe, hat mir, so glaube ich, gezeigt, dass vor allem seitens Grossbritannien Widerstand gegen solche Ideen zu erwarten ist."
Seine Forderung lautet: "Deshalb sollte ein nationaler Verband den Mut aufbringen und fallende Sprünge im Gelände zulassen und so Erfahrung sammeln."
Olympiareiter und Equipe-Chef
Dr. Alfred Schwarzenbach ist in der Schweiz die graue Eminenz des Vielseitigkeitssports: Das Mitglied des Olympia-Mannschaft bei den Spielen 1972 in München war 1996 in Atlanta Equipe-Chef der schweizerischen Buschreiter bei Olympia. Von 1993 bis 1999 stand er der Sektion Military des Schweizer Pferdesportverbandes vor. Gleichzeitig hat er sich als Mäzen des Vielseitigkeitssports betätigt. Seit dem schweren Unfall in der eigenen Familie gilt Schwarzenbach in der Schweiz als nachhaltiger Kritiker des Reitens über feste Hindernisse, der sich aber bisher öffentlich zu der Grundfrage des Vielseitigkeitssports noch nicht geäußert hatte.
"Der Sport muss sich verändern"
Gegenüber buschreiter.de erklärte Dr. Schwarzenbach: "Concours Complet ist ein wunderschöner Sport (...) damit der Sport eine Zukunft hat, muss er verändert werden."
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