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Reiter und Pferde

Events 2012

Das Pferd muss nichts mehr beweisen, der Reiter nichts riskieren: Hinrich Romeike und Marius werden an der WM in Kentucky voraussichtlich nicht teilnehmen können (Archivfoto Julia Rau)

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Strzegom 2010

Marius und Romeike bleibt der Weg zur WM verbaut

VON WOLF-DIETRICH NAHR

Der doppelte Drei-Sterne-Event im polnischen Strzegom hat aus Sicht des deutschen Lagers neben Top-Leistungen der potenziellen WM-Kandidaten auch ein wenig erfreuliches Resultat hervorgebracht: Doppelolympiasieger Marius Voigt-Logistik wird aller Voraussicht nach nicht an den Weltreiterspielen in Kentucky teilnehmen können.

Dabei hatte im CCI*** in Strzegom alles so aussichtsreich begonnen: Marius und Hinrich Romeike starteten als Dressursieger am Samstag in Polen ins Cross der gut 5300 Meter langen Geländestrecke der langen Prüfung. Und in der Rückschau erinnert sich Bundestrainer Hans Melzer daran, dass der Schimmel im Cross von Strzegom "sensationell gegangen" ist, wie er im buschreiter-Interview sagte. Die 20 Punkte im Gelände resultieren seiner Ansicht nach auch nicht daraus, dass Marius nach seiner verletzungsbedingten Pause etwa von den Anforderungen in der Querfeldeinstrecke überfordert gewesen sei. Vielmehr sei die Verweigerung am Wasser vor allem dadurch zustandegekommen, dass das Pferd fast etwas übermotiviert und sehr mächtig ins Wasser gesprungen sei – mit der Folge, dass Hinrich Romeike kurz auf den Hals des Schimmels gefallen sei und deshalb die gebogene Linie zum schmalen Wasseraussprung verlassen musste. Deshalb habe das Paar dort einen neuen Anlauf nehmen müssen.

Verdacht auf Prellung

Die Fans haben der Ergebnisliste via buschreiter-Hotline natürlich längst entnommen, dass Romeike und Marius den CCI*** nicht beendet haben. Der Reiter hat sich nach Angaben von Bundestrainer Melzer entschlossen, Marius am Sonntag im Springen nicht mehr vorzustellen, weil der Schimmel "nach dem Gelände nicht hundertprozentig in Ordnung" gewesen sei. Es sei "nichts dick und nichts warm", aber Marius weise an einem Bein eine Pulsation auf, die auf eine Prellung hindeuten könnte. Das Pferd hatte die komplette Saison 2009 pausiert, nachdem beim Training im Frühjahr ein Problem an einem Fesselträger aufgetreten war. Marius galt aber nach sorgfältiger Rekonvaleszenz und entsprechendem Aufbautraining als voll wieder hergestellt.

Fahrt nach Telgte

Hinrich Romeike ist von Strzegom aus direkt in die Tierklinik nach Telgte gefahren, um dort von Dr. Karsten Weitkamp eine klare Diagnose zu erhalten. "Hini ist Sportsmann genug, um nicht alles und um jeden Preis zu wollen und das Pferd mit Gewalt vorzustellen", sagte Hans Melzer im buschreiter-Interview. Marius hätte nach der Pause laut FEI-Reglement bis zum 16. August ein CCI***- und CIC***-Qualifikationsergebnis vorweisen müssen, um eine Chance auf eine WM-Teilnahme zu wahren. Dieser Weg dürfte nun nach dem Strzegom-Wochenende nicht mehr gangbar sein.

Damit wird das Team und werden die Bundestrainer auf einen Reiter verzichten müssen, der "seit 2003 das sicherste Championatspferd" vorgestellt hat, so Melzer. Das bedauert der Bundestrainer umso mehr, als sich der Schimmel "superfit und topvorbereitet" in Strzegom präsentiert habe. Dies bedeutet auch, dass das Team wohl bei der WM zumindest in der Aktivenrolle auf eine Reiterpersönlichkeit verzichten muss, die als "Bindeglied" zu den Trainern und als wertvoller "Multiplikator" die Mannschaft stets stark gemacht habe, meint Hans Melzer

Bundestrainer schwärmt

Obwohl es für dieses Paar zunächst kein Happy End gibt (die Alternativroute ist nun eventuell die Deutsche Meisterschaft und ein weiteres Highlight im Herbst), hinterließen die anderen WM-Longlist-Paare in Polen einen großen Eindruck beim Bundestrainer, der im buschreiter-Interview fast schon euphorisch klang. Mehrfach fiel die Vokabel "sensationell": Dies gilt für Andreas Dibowski und Euroridings Butts Leon (3. in der CIC***-Weltcup-Qualifikation) und für Dirk Schrade und Gadget de la Cere (punktgleich ebenfalls 3. im CIC***). Und zu Michael Jungs Sam (2. im CIC***) fiel Melzer nur noch "unglaublich" ein: "Er hat im Cross eine so super lässige Runde hingelegt, er ist so sicher und souverän und in einer tollen Form, der eine Springfehler ist alles andere als dramatisch."

"Wir wissen, was wir an ihm haben"

Longlist-Reiter Kai-Steffen Meier zeigte mit Karascada M nach einer nicht berauschenden 60er-Dressur mit einer makellosen Runde im Gelände ganz nahe an der Optimum Time und einem fehlerfreien Parcours, dass mit ihm weiter zu rechnen ist. Er hat es ja nicht sofort in die Kategorie der Erste-Wahl-WM-Kandidaten geschafft, sondern er gehört dem Dreier-"Reserveblock" an. "Kai-Steffen Meier hat bestätigt, dass er ein Kandidat ist, wenn er gebraucht wird", sagte Hans Melzer. Und: "Wir wissen genau, was wir an ihm haben." Das Paar sei zwar etwas anfällig in der Dressur, aber eine mannschaftsdienliche Leistung sei von den beiden durchaus zu erwarten.

"Sehr optimistisch"

Hans Melzer blickt nun mit sehr positiver Erwartungshaltung den weiteren WM-Vorbereitungsturnieren in Aachen, Malmö und Schenefeld entgegen. "Ich bin sehr optimistisch, dass wir am Ende für Kentucky gut aufgestellt sein werden."

Drei Pferde in der Weltcup-Quali

Michael Jung hat übrigens in üblicher Manier in der Weltcup-Qualifikation nicht nur Sam als Runner Up gestellt, sondern mit Weidezaunprofi's River of Joy den CIC*** auch noch gewonnen, um mit Leopin sogar noch ein drittes Pferd in den Rängen zu haben (13.).

Julia Krajewskis erste Drei-Sterne

Julia Krajewski startete nach ihrem England-Aufenthalt mit After The Battle in ihrer ersten Drei-Sterne-Prüfung mit dem 7. Platz im CIC*** richtig durch, was Bundestrainer Melzer "beeindruckend" fand. Frank Ostholt präsentierte sich mit zwei Pferden in glänzender Form: Mit La Fair wurde er 9. und mit Altmeister Air Jordan immerhin 20. Der österreichische Multi-Championatsreiter Harald Ambros schwimmt mit Quick (6.) und O-Feltiz (14.) weiter oben. Margit Appelt aus Österreich verbaute ich mit Off Limits xx (25.) durch 14 Punkte im Parcours einen besseren Rang. Die Schweizerin Esther Andres wurde mit Schwalbenprinz 12. in der Weltcup-Quali – ein Grund für einen Schluck Sekt.

Schwedisches Trio vorne

Im CCI*** machte die Treppchenplätze das schwedische Trio Niklas Lindbäck/Mister Pooh, Malin Larsson/Sofarsogood und Christoffer Forsberg/Grafman unter sich aus. Der bayerische Amateur Dr. Wolf-Dieter Eckl feierte mit Pennsylvania und Platz 10 in der langen Drei-Sterne-Prüfung einen seiner größten Erfolge. Die beiden Schweizer Amazonen Doris Weidmann/Hector Molfront und Tamara Acklin/Belle Mykena CH wurden 5. und 6.

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