Porträt Miriam Dirkes/Tivola:
Endmaß-Pony spielt mit den Zwei-Sterne-Klamotten
VON WOLF-DIETRICH NAHR
Solche Geschichten schreibt nur die Vielseitigkeit: Der 13-jährige Tivola sollte eigentlich ein Fahrpony werden, doch dafür war der kleine Fuchs nicht geeignet. Und jetzt ist der Endmaß-Wallach mit seiner Reiterin Miriam Dirkes das wahrscheinlich einzige Pony bei Zwei-Sterne-Prüfungen in Deutschland. Bisherige Bilanz: Zwei CIC**-Starts, zwei Platzierungen. Und es hagelt Angebot für das Pferd, aus dem In- und Ausland.
Man kann nicht sagen, dass die Proportionen von Pferd und Reiterin ideal zusammenpassen: Hier der Endmaß-Wallach (von Top Nonstop und aus einer Marsvogel xx-Mutter) mit einem Stockmaß von einem Meter und 48 Zentimetern, dort die schlanke Reiterin immerhin mit einer Körpergröße von 1,80 Meter, die definitiv dem Ponyalter entwachsen ist. Auf den Abreiteplätzen und im Cross der internationalen Vielseitigkeitsprüfungen sieht man Zuschauer und Offizielle, die den Mund nicht mehr zukriegen angesichts des ungewöhnlichen Paares. Folglich sind die Reaktion manchmal etwas geteilt. "Ein Großteil findet es toll, egal ob Tierärzte, Richter oder Zuschauer – es gibt meistens Bewunderung, euphorische Unterstützung, viele sind völlig aus dem Häuschen", berichtet Miriam Dirkes im buschreiter-Interview.
"Muss das sein"
Es gibt aber auch Richter bei der Verfassung von Sterne-Prüfungen, die die Stirn runzeln: "Muss das sein, das ist ein Pony, das gehört doch in den Ponysport."
Wohin Tivola allerdings keinesfalls gehörte, war vor der Platz vor dem Wagen. Dort sollte das Pony nach den Vorstellungen des Züchters Heinrich Wernke zum Einsatz kommen. Doch schon bei der ersten Longenarbeit signalisierte der Fuchs, dass ihm Leder vor der Brust nicht in den Kram passt. "Der Kleine war als Fahrpferd praktisch ausgemustert", berichtet Miriam Dirkes, deren Vater den 2-Jährigen in einem Nachbarort von Merzen bei Osnabrück "für wirklich kleines Geld" kaufte. "Er hat erkannt, dass das Pferd Qualität hat."
Karrierestart auf E-Niveau
Im Ausbildungs- und Schulstall der Familie Dirkes wurde Tivola nach Flegel-Monaten auf der Weide Ende dreijährig angeritten, von einer talentierten 12-Jährigen ausgebildet und bis zum Alter von 9 Jahren von der jungen Dame in Dressur, Springen und Gelände auf E-Niveau bei Turnieren vorgestellt – bis die Reiterin nach einer Sportverletzung das Handtuch werfen musste.
Dann kam Miriam Dirkes ins Spiel: Die gelernte Erzieherin, die im elterlichen Stall junge Pferde ausbildet und Reitunterricht gibt, wollte den Ponywallach eigentlich nur übergangsweise bei Laune halten und nannte "nur so zum Spaß" bei einer A-Vielseitigkeit. "Im Gelände hat sich gleich gezeigt, dass er sehr viel Springvermögen hat, wir waren gleich platziert."
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