Sicherheitsdiskussion:
Christian Steiner:Jeder Unfall einer zu viel
Gut ein Jahr nach dem tödlichen Unfall von Sebastian Steiner bei einer Drei-Sterne-Prüfung in Italien geht die von buschreiter.de angestoßene Sicherheitsdiskussion weiter: Nach der Mutter des Verunglückten und dem ehemaligen Olympiareiter Dr. Alfred Schwarzenbach aus der Schweiz meldet sich nun auch der Vater von Sebastian Steiner, Christian Steiner – bis vor kurzem selbst aktiver Vielseitigkeitsreiter –, zu der Frage abwerfbarer Hindernisse zu Wort. Derweil findet gegenwärtig aus deutscher Sicht die Debatte nur in anonymen Internetforen statt. Bisher haben sich weder Aktive aus dem deutschen Spitzensport noch Offizielle der FEI oder der FN zu dem Thema geäußert.
Buschreiter.de veröffentlicht hier die Stellungnahme von Christian Steiner unverändert im Wortlaut:
"Ich war bis zum Sturz meines Sohnes über 25 Jahre ein passionierter Amateur – Vielseitigkeitsreiter, der mit mehreren Pferden bis CCI** und mehrfach bei der EM der ländlichen Reiter geritten ist. Ich habe diesen Sport nicht wegen der drohenden Gefahr ausgeübt, sondern wegen der Faszination, mit ein und dem selben Partner Pferd Dressur, Gelände (früher auch mit Rennbahn) und Springen zu trainieren und im Wettkampf zu bestreiten. Mir war mehr oder weniger die Gefährlichkeit des Geländerittes bewusst und bin deshalb immer ein Klasse niedriger als evtl. möglich geritten, um nur kein zu großes Risiko einzugehen.
Meine Pferde und ich haben natürlich auch Fehler im Gelände gemacht, oder mein Pferd rutschte vor/im Absprung aufgrund der Bodenverhältnisse aus. Ich hatte oft Glück, aber natürlich auch Stürze, weil das Hindernis natürlich nicht gefallen ist, wie im Parcours. Trotzdem habe ich in der Jugend mehr riskiert, als in den letzten Jahren. Und so wird es vor allem die Jugend, die ihr ganzes Leben noch vor sich hat, immer machen.
Darum müssen wir und alle Verantwortlichen alles Menschenmögliche unternehmen, um schwere oder gar tödlich Stürze, auch bei Fehlern von Reiter oder Pferd, zu vermeiden, auch wenn immer ein Restrisiko bleiben wird.
Ich glaube nicht, dass durch abwerfbare Hindernisse eine Klassierung schwerer möglich ist. Aber ich bin sicher, dass durch abwerfbare Hindernisse im Gelände kaum noch schwere oder gar tödliche Unfälle passieren werden.
Der Hindernisbau hat sich in den letzten Jahren verbessert, aber es gibt leider immer noch Geländebauer, die selbst nicht oder wenig geritten sind und daher auch nicht wissen können, wie ein Pferd einen Sprung annimmt bzw. überwindet. Von den Abmessungen her auf A- od. L-Niveau angepasste 3*- oder 4*-Hindernisse sind zwar meist schön anzusehen, aber in den Klassen A und L trotzdem fehl am Platz. Hier starten meist unerfahrene Pferde und/oder Reiter, die alleine aufgrund der Optik oder der technischen Anforderungen dieser Sprünge oft überfordert sind.
Beim Hindernisbau im Gelände lässt sich aber auch auf dem Kontinent noch einiges zu verbessern, um die Gefahr der gefährlichen Überschläge zu minimieren. So war ich heuer in Badminton, wo im Vorfeld auch eine A- und L-Prüfung ausgetragen wurde. Selbst in diesen Klassen waren alle Sprünge, bei denen es technisch machbar war, mit einer Sollbruchstelle ausgestattet. Um dies auch in unseren Landen umzusetzen, sind natürlich auch die nationalen Förderationen gefragt, um die Kosten für die Veranstalter im Rahmen zu halten.
Bei allen anderen Sprüngen waren sowohl Absprung als auch Oberkante der Sprünge sehr deutlich markiert und damit für das Pferd klar ersichtlich, oder die Sprünge waren so „rund“, dass das Pferd auch bei einem Fehler leicht darüber rutschen konnte, und die Hochweitsprünge (z.B. Tische) waren an der Hinterkante höher als an der Vorderkante und mit Hecken.
Natürlich sind auch die Richter enorm gefordert, da sie z.B. noch vor Ort auch veranlassen können, dass Sprünge mit meist geringem Aufwand optisch für das Pferd besser einschätzbar werden und dadurch das Sturzrisiko vermindert wird.
Ich halte es mit Harald Ambros, dass müde oder unkontrollierbare Pferde, unabhängig von Rang und Namen des Reiters, und überforderte Reiter unverzüglich aus dem Bewerb genommen werden müssen, um tragische Unfälle von Pferd und Reiter weitestgehend zu vermeiden.
Oft wird auch gesagt, dass in anderen Sportarten viel mehr schlimme Unfälle passieren als in der Vielseitigkeit. Aber jeder einzelne schwere Unfall oder gar Tote ist einer zu viel!
Die Faszination dieser Sportart liegt sicher nicht in der Gefahr oder dem Risiko, dass man als Reiter eingeht!
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