Anna Warnecke/Ingrid Klimke
Unter Top Ten bei den British Open
VON WOLF-DIETRICH NAHR
Die beiden Longlist-Amazonen Ingrid Klimke und Anna Warnecke müssen in dieser Saison ein Wechselbad der Gefühle ertragen. Während Ingrid Klimke eine Unfallverletzung auskuriert, feierte Anna Warnecke am ersten August-Wochenende 2010 bei den British Open in Gatcombe einen bemerkenswerten Erfolg.
Die wahlenglische Reservistin für die WM unterstrich die aufsteigende Form von Twinkle Bee ("Trusty") mit einem bemerkenswerten 9. Platz bei der British Open Championship im Vorgarten von Prinzessin Anne in Gatcombe Park, ausgetragen auf nationalem Advanced-Niveau. Anna Warnecke hatten es dabei mit einem Weltklassefeld zu tun, das nur so vor lauter Championats- und sonstigen Spitzenreitern und -pferden strotzte. Die Amazone freute sich über eine 34er Dressur. Und die ermöglichste es, dass die beiden "auf Tuchfühlung" lagen, wie sie gegenüber buschreiter.de erklärte. In einem "sehr technischen" Parcours ließ dann Trusty alles bis auf eine Stange liegen. Im "sehr anspruchsvollen Gelände" wurde "immer wieder die Abstimmung des Paares Pferd und Reiter abgefragt". Nur 7.6 Zeitfehler bescherten bei der Endabrechnung schließlich die Platzierung unter den Top Ten. Anna Warnecke zu buschreiter.de: "Das Turnier ist wunderschön, und wir hatten eine tolle Zeit mit einem sehr fröhlichen Trusty."
Außenband gerissen
Anna Warnecke hält sich im Moment wie der Rest des Kaders zum WM-Vorbereitungslehrgang in Warendorf auf, so auch Ingrid Klimke, die bereits Ende Juli einen spektakulären Sturz von einem 6-jährigen Pferd hatte und sich dabei am rechten Sprunggelenk ein Außenband gerissen hat.
WM-Pläne unverändert
Trotz der zunächst sehr schmerzhaften Verletzung bleibt es bei dem Plan, mit FRH Butts Abraxxas die WM-Sichtung in Schenefeld Ende August zu reiten, um dann, gut acht Wochen nach dem Sturz, bei den Weltreiterspielen den Titel von Aachen zu verteidigen. Dies versicherte Ingrid Klimke am Montag (9. August) im buschreiter-Interview.
Erfolg bei Dressurpferd-WM
Und das es mit dem Reiten mehr als leidlich klappt, hat die Mannschaftsolympiasiegerin schon einmal bei der WM der Dressurpferde in Verden dokumentiert - mit einem 6. Platz im Sattel des 6-jährigen Hengstes Dresden Mann. "Reiten geht im Moment besser als laufen", sagte Ingrid Klimke hinterher. Und dies funktioniert mit einer dünnen Schiene, die es der Reiterin erlaubt, in dicke Winterreitstiefel zu schlüpfen.
Im Bügel hängengeblieben
Der Unfall passierte beim Galopptraining auf der Rennbahn mit einem "aufmüpfigen" Sechsjährigen, der flott einem vorausgaloppierenden Pferd folgen wollte. Der Vierbeiner und die Reiterin wurden sich dann an einer Wegabzweigung nicht ganz einig über die Richtung. Das Pferd entschloss sich vor einer Baumgruppe zu einer Vollbremsung. Dadurch kam Ingrid Klimke nach links aus dem Sattel - und blieb kurz mit dem rechten Fuß im Bügel hängen. Dabei kam es dann offenbar zu dem Außenbänderriss. "Das war im ersten Moment so schmerzhaft, dass ich wirklich gedacht habe, jetzt ist alles gelaufen." Übers Wochenende gönnte sich die Reiterin dann, umsorgt von der Familie, eine Ruhepause, um bereits wenige Tage danach im Sattel zu sitzen. Dafür hatte Teamarzt Dr. Manfred Giensch nach eingehender Untersuchung grünes Licht gegeben.
Training in Warendorf aufgenommen
Beim Kaderlehrgang in Warendorf hat sich Ingrid Klimke am ersten Tag auf die Dressur beschränkt. "Ich muss schon sorgsam mit dem Bein umgehen und reite deshalb nur gezielt wesentliche Sachen." Für den Dienstag sind die ersten kleinen Sprünge geplant. Und am Donnerstag steht dann ein erstes Geländetraining auf dem Plan. Mit Blick auf Schenefeld sagte sie: "Ich hoffe, dass es problemlos geht." Man muss kein Hellseher sein, um zu ahnen, dass die Bundestrainer möglicherweise dem Paar Dispens für Schenefeld geben, damit Ingrid Klimke den Bänderriss komplett auskurieren kann. Immerhin hat das Paar in Luhmühlen und in Aachen respektable Leistungen gezeigt.
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Lesermeinung
Kaderansprüche gerechtfertigt
Hallo Anna Warnecke, jetzt wird es aber wirklich "steil nach oben gehen"! Mit großer Freude lese ich von dieser großartigen Dressur und einem richtig guten Springen!!! Wer war doch gleich noch mal der nette Herr, der mir hier im Meinungsblock "weismachen" wollte, dieses Pferd wäre längst "ausgereizt"? Es geht doch, Glückwunsch und nun sind auch die Kaderansprüche gerechtfertigt.
Die "Dröhnerei" im Vorfeld hat mir gar nicht gefallen, es steht einem wirklich "großen" Sportler nicht gut, nach mittelmäßigen Leistungen lautstark Kaderambitionen anzumelden, denk ich. Ich hoffe und wünsche, die Anna hat ein wenig daraus gelernt?! Viel Glück auf dem Weg nach Kentucky (oder woanders hin, ganz im Sinne des Bundestrainers).
J. Lindner
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