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Course Designer Christian Zehe warnt vor rechtlichen Problemen bei der Einführung von Sicherheitselementen (Foto Julia Rau)

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Sicherheitsdiskussion: Interview Christian Zehe

Manche Reiter meiden Turniere mit Sicherheitselementen

Hindernisse mit nachgebenden Elementen im oberen Bereich können dazu beitragen, viele Stürze im Gelände vereiteln. Der Course Designer und frühere Championatsreiter Christian Zehe verweist im buschreiter-Interview auf entsprechende Untersuchungen in England. Zehe sieht aber Restriktionen des Reglements für solche Sicherheitshinternisse.

Bei buschreiter.de werden immer mehr Stimmen laut, die die Einführung von "abwerfbaren" Geländehindernissen fordern. Zuletzt hat sich der ehemalige Olympiareiter Dr. Alfred Schwarzenbach zu Wort gemeldet. Geben die Forderungen einem Course Designer nun nicht zu denken?

Christian Zehe: Ich verfolge die Diskussionen auf buschreiter.de sehr interessiert. Als Parcourschefs sind wir neben dem Design auch für die Sicherheit mit verantwortlich. Die Reglements geben uns nicht viele Möglichkeiten, abwerfbare Hindernisse zu bauen. Hindernisse sind fest, achtunggebietend, fair und abbaubar. Es gab in England und Deutschland Projekte mit abwerfbaren Hindernissen (Crossjump), die sich aber nicht durchgesetzt haben.

Es gibt ja längst mehrere Varianten von Geländehindernissen, die über Sollbruchstellen oder nachgebende Mechanismen verfügen. Könnten solche Elemente Geländestrecken wirklich sicherer machen?

Christian Zehe: Ja, es gibt Hindernisse mit Sollbruchstellen (Pins –England, MIM –Schweden, Dutch Boom –Holland), die besonders an Hindernissen mit Kuck-Effekten eingesetzt werden. Dadurch verändert sich aber das Profil der Sprünge, da nicht mehr alle Materialien verwendet werden können. Das Auslösen dieser Systeme wird mit Strafpunkten belastet, die ein Qualifikationsergebnis für den Reiter verhindern. Es soll Reiter geben, die Turniere meiden, bei denen diese Sollbruchstellenhindernisse eingesetzt werden.

Kann man denn durch solche Techniken, die rotation falls mit dem fatalen Sturz des Pferdes auf den Reiter verhindern?

Christian Zehe: Es gibt Untersuchungen aus England, bei denen herausgefunden wurde, dass viele Stürze verhindert werden können, wenn das Hindernis im oberen Bereich ca. 10 cm nachgibt. Dem zur Folge muss das Hindernis ausweichen. Hier sehe ich das schwedische Mim-System klar im Vorteil. Außerdem können Hindernisse mit weichen Profilen, starke Abrundung im oberen Bereich oder Hecken auch einiges bewirken.

Teilen Sie die Meinung, dass die Puristen im anglo-amerikanischen Raum sich in dieser Frage taub stellen?

Christian Zehe: Nein, denn in England gibt es diese deformierbaren Hindernisse schon seit fast 10 Jahren.

Gibt es nicht Hindernistypen – wie In-Outs im Gelände – die man ohnehin verbieten sollte, weil sie zu gefährlich sind?

Christian Zehe: Es gibt statistisch gesehen mehrere Hindernistypen, die häufiger zu Stürzen führen als andere (FEI-Statistik). Was die In-Outs angeht, so finden wir diese bei großen Championaten vor dem Wasser. So lange es das noch gibt, brauchen wir die In-Outs auch in kleineren Prüfungen (natürlich nicht vor dem Wasser). Pferde und Reiter müssen dies auch üben und sich darauf vorbereiten, sonst sind sie mit bestimmten Situationen schnell überfordert.

Können Sie die Haltung der FEI und der FN in der Frage von fallenden Geländehindernissen skizzieren?

Christian Zehe: Ich denke, dass die FEI an dem Thema dran ist. Es gibt da aber auch einige rechtliche Sachen zu beachten. Wenn Sie Sicherheitshindernisse zulassen, müssen sie diese überall einbauen, sonst bekommt man schnell ein Problem, wenn ein Unfall an einem „Nicht-Sicherheitshindernis“ passiert. Die Anwälte des Verunglückten könnten dann fragen: „Wenn es diese Sicherheitselemente gibt, warum werden Sie dann nicht überall eingesetzt?“

Sehen Sie eine Chance, im Zuge der Reglementänderung 2013 hier Spielräume zu schaffen?

Christian Zehe: Ich denke, dass die FEI in den letzten Jahren einen guten Weg gegangen ist. Die Verbesserung der Sicherheit ist ja nicht nur auf die Geländestrecken begrenzt. Wir haben ja auch noch Pferde und Reiter. Hier ist das Qualifikationssystem für Reiter Pferd Paare ein großer Schritt in die richtige Richtung gewesen.

Ich würde mir wünschen, dass Pferde und Reiter, die häufig stürzen, früher verwarnt werden und vielleicht eine Klasse tiefer einsteigen müssen. Für die Veranstalter müssen wie uns überlegen, wie wir die Kosten senken, oder die Einnahmen erhöhen können.

Als Parcourschef wünsche ich mir, dass es noch mehr Weiterbildung und Austausch gibt. Vielleicht auch ein zwangsweises Rotationssystem wie bei den TDs.

Interview: Wolf-Dietrich Nahr/buschreiter.de

So berichtete buschreiter.de bisher:

Eine Revolution durch die Hintertür?

Harald Ambros: Rote Karten ohne Rücksicht auf dem Namen

Sebastian Steiners Mutter fordert abwerfbare Hindernisse

Dr. Alfred Schwarzenbach: "Geländehindernisse sollten fallend sein"

Christian Steiner: "Jeder Unfall ist einer zu viel"

Ihre Meinung zum Thema?

Lesermeinungen

Alle Verantwortlichen gefragt

Ich möchte mich bei Christian Zehe bedanken, der in seinem Interview einen guten Schritt hin zur Sachlichkeit getan hat. Ob „deformable elements“ die Lösung sind, kann ich nicht beurteilen, da mir solide und sorgfältig recherchierte Daten nicht zur Verfügung stehen.

Ein zentrales Thema hat Christian unter dem Aspekt Qualifikation angesprochen. Hier sind alle Verantwortlichen gefragt; es ist nicht zu verantworten, dass sich unerfahrene Reiter auf zu leichten Kursen für die nächst höhere Klasse qualifizieren. Das Thema „häufiges Stürzen“ ist sehr komplex und eng verbunden mit dem bei vielen Beteiligten nicht gerade beliebten Ausfüllen von Fall Reports. Da gibt es noch Möglichkeiten der Verbesserung, da müssen aber dann auch viele wirklich wollen, angefangen mit der Auswahl und Einweisung der Hindernisrichter und nicht beendet mit einer jährlichen Auswertung aller Fall Reports und der Veröffentlichung der Ergebnisse.

Das hätte vielleicht einen vorbeugenden Effekt für den einen oder anderen Kamikaze-Piloten, der noch nicht zu oft auf seinen Kopf gefallen ist!

Dr. Helmut Mett

Anmerkung der Redaktion: Es ist nicht erkennbar, dass es bisher in der Berichterstattung und in den Leserreaktionen zum dem Thema abwerfbare Hindernisse im Gelände bei buschreiter.de einen Mangel an Sachlichkeit gegeben hätte. Vielleicht liegt hier bei Herrn Dr. Mett eine Verwechslung mit anderen Internetseiten vor. Insbesondere sind die drei Angehörigen von Unfallopfern, die sich in dieser Debatte selbstständig zu Wort gemeldet haben, in Schutz zu nehmen vor dem Vorwurf der Unsachlichkeit. Deren öffentliches Bemühen um mehr Sicherheit im Gelände von Vielseitigkeitsprüfungen verdient großen Respekt und Anerkennung, jedenfalls mehr als das nachhaltige Schweigen der allermeisten Offiziellen zu diesem wichtigen Thema.

Dr. Wolf-Dietrich Nahr

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